Ein leerer Raum, Kurzgeschichte

18.12.2015 08:34

Der Raum in dem ich sitze ist kahl und leer. Keine Möbel, kein Farbspritzer an den Wänden. Ich schaue in den Farbeimer neben mir und frage mich ob dieses hässliche Sonnengelb wirklich meine Laune heben kann oder ich schlecht drauf sein werde weil mir morgens übel wird, wenn ich meine Wände im Schlafzimmer anschaue. Warum zum Teufel habe ich mich von meiner Mutter zu dieser Wandfarbe überreden lassen? Wäre sie einfach nur meine Mutter, dann wäre ihr Gemecker und ihre tollen Ratschläge in mein rechtes Ohr hineingelangt und links wieder raus. Aber sie ist nun mal von Beruf Therapeutin und leider höre ich oft auf Therapeuten. Seit drei Jahren wohne ich jetzt schon in meiner kleinen Wohnung und die weißen Wände haben mich nie gestört, bis meine Mutter diese zu Gesicht bekam. Ich wollte sie ja in meiner Lieblingsfarbe Rosa streichen, das tue ich aber meinem Freund nicht an, weil er so nett ist und mich am Wochenende mit seinem BMW fahren lässt, dem Angeber-Auto. Ich schaue wieder in den Farbeimer. Grauenhaft.

Plötzlich klingelt mein Handy und ich werde unsanft aus meinem Gedanken gerissen. Mein Freund teilt mir mit er würde später kommen, weil sein Auto nicht anspringt. Und daran wäre nur ich Schuld, meine Fahrweise habe angeblich dem Motor Schaden zugefügt. Ich weiß er meint es nicht so, er hat Stress in der Arbeit und verliert schnell die Nerven wenn es um sein geliebtes Auto geht. Trozdem verletzt mich seine Aussage. Zeit für einen kleinen Denkzettel. Ich setzte mich in mein Auto, fahre zum Baumarkt und keine fünf Minuten später kommt eine SMS: "Es tut mir leid, ich machs wieder gut. Lieb dich." Bevor ich zur Kassa gehe schreibe ich ihm zurück: "Schon verziehen mein Schatz. Habe im Schlafzimmer eine Überraschung für dich. Lieb dich auch." Dann gehe ich zu Kassa mit meinem rosa Farbeimer und kann mir ein Lachen nicht verkneifen.